Nachruf zum Tod von Dr. Roque Lobo

 

Im Herbst des Jahres 2019 ist Dr. Rocque Lobo gestorben. Sein Tod hat eine stille Lücke in die deutschsprachige Yogalandschaft geschlagen. Mit viel Zähigkeit und Streitbarkeit verstand er es, in den Medien scharfe Pfeile auszusenden, wenn es um das Verständnis von Yoga in der Gesellschaft ging. Zeit seines Lebens hatte er dafür gestanden, ein ideologiefreies Yoga und Ayurveda mit dem „westlichen“ Wissen aus Physiologie, Pharmakologie und Chronobiologie zusammen zu denken. Das Unterfangen hatte sich für ihn als Fremden mit der indischen Herkunft nie leicht gestaltet, zu verschieden sind die Denkmuster aus Ost und West. Es war sein Anliegen gewesen zu vermitteln, dass Yoga zu kostbar sei, um bloß als seelenloses Entspannungsmittel ausgebeutet zu werden. Er sah hingegen im Yoga die komplexen Denk- und Handlungsmuster,welche den Praktizierenden die Möglichkeit an die Hand geben, das eigene Leben in seiner sozialen und biologischen Eingebundenheit zu reflektieren, um sich auf diese Weise vor Abstürzen in chronische lifestile Erkrankungen zu bewahren. So hatte er immer wieder dazu ermuntert, direkt mit dem Körper in einen Dialog zu treten, in eine Art wortloses Gespräch. Dr. Rocque Lobo begründete Fortbildungsreihen, zum Teil mit Unterstützung und Förderung durch das Bundesministerium für Bildung, entwickelte unter anderem das Marma-Yoga®, das shake-spear Aktivierungstraining® und schrieb anspruchsvolle Bücher zu Yoga und Ayurveda.

 

Mit seinem Tod hat die Yoga- und auch die Präventionslandschaft der Krankenkassen einen unbequemen Querdenker zwischen Ost und West verloren, jemanden der keine Mühe scheute im verschütteten Fundus des Yogas zu forschen und die Ergebnisse mit dem eigenen Erleben und der „westlichen“ Wissenschaft in Resonanz zu bringen, auf die Gefahr hin, von den eigenen Mitstreitern nicht verstanden zu werden.

 

Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Lücke in der Landschaft nicht bloß harmonisch, so zu sagen im Stillen, verschließt und im Mainstream verschwindet. Nein, es lohnt seinen Versuch einer west- östlichen Vernetzung im Denken und Handeln weiterzuleben.

 

 

 

Hamburg im Herbst 2019, Raimond Hintze